Einführung:
Galten Giardien (Giardia sp.) bis vor kurzem noch als exotische Infektionskrankheit in Massentierhaltungen oder Tierheimen in südlichen Gefilden, sind in den letzten Jahren rapide ansteigende Fälle auch in Deutschland zu verzeichnen. Dabei sind nicht nur immer Tierheime oder Massentierhaltungen mit kalt-feuchtem Milieu betroffen, sondern zunehmend auch private kleine Katzenhaushalte. Giardien sind nicht wirtsspezifisch, d.h. sie kommen z.b. auch bei Kaninchen, Mensch, Hund und Katze vor. Zieht z.b. ein symptomfreies infiziertes Kitten ein, kann es schnell durch den Umzugsstress oder Impfung zum Ausbruch der Krankheit und zur Ansteckung aller Tiere im Haushalt kommen.
Allgemeines:
Bei Giardien handelt es sich um Einzeller aus der Gattung der Flagellaten (Geißeltierchen). Sie bilden dort eine eigene Gattung. Sie haben 8 Geißeln, mit denen sie sich fortbewegen, sowie 2 Kerne. Sie sind mikroskopisch kleine Durchfallerreger. Mit einer Haftscheibe haften Sie sich an die Darmschleimhaut des Wirtstieres und ernähren sich von kohlenhydratreicher Nahrung. Man unterscheidet vegetative Stadien (Trophozoiten) von Dauerformen (Zysten). Sie dringen also nicht in das Gewebe ein, sondern vermehren sich millionenfach auf der Oberfläche der Darmschleimhaut und können diese dadurch auch zerstören. Um andere Lebewesen befallen zu können, umgeben sich jeweils zwei Trophozoiten mit einer schützenden Hülle, zweiteilen sich in vier Kerne und lassen sich als Zyste mit dem Kot nach außen transportieren.
Entwicklung und Lebenskreislauf:
Während die im Darm lebenden Formen, die Throphozoiten, die lebende Form darstellen, geschieht die Weiterverbreitung über den Kot nur der ansteckenden Form, der sogenannten Zysten. Werden die Zysten von einer Katze oder einem Mensch oral aufgenommen entstehen im Körper wieder Trophozoiten, welche dann wieder die zweite Lebensform bilden. Ein ständiger Kreislauf …. Trophozoiten im Darm müssen nicht unbedingt eine Erkrankung auslösen. Man spricht dann von einem symptomlosen Ausscheider, der jedoch ansteckende Zysten im Kot absetzt. Der Nachweis von Zysten im Kot gelingt erstmals frühestens 5 Tage (-16 Tage) nach der Infektion.
Die Zysten sind in der Außenwelt 3-4 Wochen infektiös, überleben aber in feuchter und kalter Umgebung bis zu 2 Monate. Sie sind gegenüber herkömmlichen Desinfektionsmitteln resistent und können zuverlässig nur mit einem Heißdampfreiniger bekämpft werden mit über 70 Grad C. Es soll aber schon einzelne hitzeresistente Stämme geben. Sie werden auf fäkal-oralem Weg auf neue Wirte übertragen.
Symptome:
Meist sind Jungtiere befallen oder ältere Tiere, deren Immunsystem durch eine andere Erkrankung geschwächt ist. Aufgrund des noch nicht voll ausgebildeten oder geschwächten Immunsystems sind diese Tier anfällig. Im Normalfall wird eine Infektion durch das Immunsystem nach wenigen Wochen spontan eliminiert. Lokal produzierte oder durch Muttermilch aufgenommene IgA Antikörper wirken schützend, indem sie die Fähigkeit der Giardien, sich an die Darmschleimhaut zu heften, blockieren. Weiterhin wirken die IgA Antikörper als Zellgift auf die Trophozoiten. Chronische Infektionen findet man oft in Verbindung mit einer Hypogammaglobulinämie (Gammaglobulinmangel im Blut – feststellbar durch Serumelektrophorese).
Falsche Ernährung (Trockenfutter) oder eine geschwächte Darmflora der Katze begünstigen die Infektion. Dabei treten akute oder chronische breiige oder dünnflüssige wechselnde Durchfälle auf. Diese weisen oft einen penetranten Geruch auf und können hellgelb sein. Oft sind sie auch mit Schleim oder Blut durchsetzt. Auch Erbrechen oder Fieber können Hinweise auf die Krankheit sein. Das Wachstum des Jungtieres stagniert, oft verlieren sie auch Gewicht, obwohl sie mit großem Appetit fressen.
Diagnose:
Der Nachweis der Giardien im Kot ist sehr schwer, da sie nicht mit jedem Kot ausgeschieden werden. Oft beginnt die Ausscheidung erst 2-3 Tage nach Beginn des Durchfalls. Es ist angeraten über 5-7 Tage Kot zu sammeln und zwischenzeitlich im
Kühlschrank aufzubewahren. Heutzutage kann man mittels zwei Testverfahren die Giardien nachweisen: Anreicherung durch Flotation mit dem MIFC-Verfahren oder der indirekte Antigennachweis (ELISA) Entweder erfolgt die Abgabe der Kotprobe beim Tierarzt sofort oder man schickt die Proben selbst in ein geeignetes Labor. Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen mit Laboklin gemacht. Dort kostet ein Test zur Zeit allerdings pro Probe 23,95 EUR. Diese Untersuchung ist aber viel zuverlässiger als die Schnelltests vor Ort beim Tierarzt. Nach der Behandlung sollte ein erneuter Test erst 4 Wochen nach Ende erfolgen, da es sonst zu einem falsch-positiven Befund kommen kann. Die Bruchstücke der toten Giardien werden noch bis zu 4 Wochen ausgeschieden und könnten im ELISA zu einem positiven Ergebnis führen. Es empfiehlt sich ausserdem nach 4-6 Monaten nochmals den gesamten Katzenbestand nachtesten zu lassen.
Was tun bei positivem Befund?
Grundsätzlich sind Giardien so ansteckend, daß alle Tiere im Haushalt (auch Hunde) mitbehandelt werden müssen. Ausserdem handelt es sich um eine Zoonose, so daß bei geringstem Verdacht und Symptomen wie Durchfall, auch der Mensch getestet werden sollte. Es gibt zwei verschiedene Medikamente, die heute bei Giardien Anwendung finden:
Wirkstoff: Metronidazol enthalten in Flagyl®, Clont®, Stomorgyl® Metronidazol tötet die Giardien nicht, sondern hemmt nur die Vermehrung. Es treten einige nicht zu vernachlässigende Nebenwirkungen auf, wie z.b. starkes Speicheln nach der Gabe der Tablette. Ich selbst habe es nicht geschafft, den Tieren diese Tabletten zu verabreichen.
Dosierung: 25-30 mg/kg Körpergewicht 2x täglich über 5-10 Tage
Wirkstoff: Fenbendazol Panacur (Zulassung in Bezug auf die Giardien nur für Hunde) Panacur gibt es als Paste oder in Tablettenform mit 250 bzw. 500 mg Wirkstoff. Die Tabletten sind geschmacklos und lassen sich mit etwas Malzpaste oder Käsepaste bestrichen wie Lekkerli verabreichen.
Dosierung: 50 mg/kg
KGW 1x täglich über 5 Tage – 3 Tage Pause – Wiederholung der Gabe über 5 Tage – ggfs. – wenn die Katze weiter Durchfall hat – nach 3 Tagen nochmalige Gabe über 5 Tage sowie nach 4-6 Monaten.
Giardien können sich in den Gallengang der Katze zurückziehen und weiter Neuinfektionen nach einer Zeit von 9-42 Tagen auslösen. Daher erfolgt die Panacur Gabe im zeitlichen Intervall wie oben beschrieben. Auf beide Medikamente haben sich allerdings bereits Resistenzen gebildet und man kann leider nur von einer Wirksamkeit von ca. 70 – 75 % ausgehen. Beide Medikamente greifen nicht nur die Parasiten sondern auch die Darmflora an. Deshalb sollte zeitgleich während der Behandlung sowie mindestens 4-8 Wochen nach der Behandlung die Darmflora mit natürlichen Darmbakterien unterstützt werden.
Ernährung:
Für alle Giardienfälle gilt: Sofort Trockenfutter weg! Die betroffene Katze über Nacht erstmal nicht mehr füttern und dann mit leicht verdaulicher Diätnahrung beginnen. Gekochtes Hühnchen, magerer Fisch oder Kalbfleisch mit 1 Eßl. gekochtem Reis und 1 Eßl Hüttenkäse in kleinen Portionen füttern. Man kann nach ein paar Tagen auch 1 Eßl Kartoffelbrei ohne Milch unterrühren. Auch Joghurt oder Quark können in kleinen Mengen gefüttert werden. Nimmt die Katze kein selbstgekochtes Futter an, füttert man spezielles Diätfutter vom Tierarzt wie z.b. Hills i/d oder Royal Canin Intestinal. Dort ist auch immer erstmal für 4-8 Wochen Nassfutter zu bevorzugen. Man kann dieses Futter auch online im Internet auf Vorrat bestellen. Es hat sich bewährt, Heilerde oder Luposan Moorliquid unterzurühren. Sie helfen die schädlichen Keime aus dem Darm zu verbannen. Für die Darmflora gibt man Symbio Pet täglich ins Futter.
Hygienmaßnahmen:
Da die Infektion durch die Weiterverbreitung der Giardien durch die ausgeschiedenen Zysten erfolgt, ist eine gute Hygiene notwendig, um den Kreislauf zu durchbrechen. Mit dem Dampfreiniger möglichst täglich alle Böden, besonders vor den Katzenklos reinigen. Der Durchfall ist möglichst sofort zu entfernen und im akuten Krankheitsstadium eine tägliche Reinigung des Katzenklos mit heißem Wasser, Dampfreiniger und Wodka vorzunehmen. Die Streu dabei auch austauschen. Die Schlafplätze der Katzen kann man mit alten Handtüchern abdecken und diese täglich bei mind. 75 Grad C waschen. Auch kann man Kratzbaum und sonstige Schlafplätze gut mit dem Dampfreinger behandeln. Schlafen die Katzen im Bett so ist empfohlen die Bettwäsche alle 3 Tage bei mind. 75 Grad C zu waschen. Bei Langhaarkatzen kann man überlegen die Katzen zu baden…aber nicht jede Katze läßt sich das gefallen. Und der wirkliche Nutzen sei dem Stress für das Tier einmal gegenüber gestellt. Wir haben auf die tägliche Reinigung der Katzenklos verzichtet und nur wechselweise alle 3 Tage das Streu komplett gewechselt. Ausserdem haben wir die Katzen nicht gebadet. Steht ein Trinkbrunnen zur Verfügung sollte dieser erstmal entfernt werden. Giardien Zysten sind im Wasser 2 Monate überlebensfähig. Die Näpfe und Trinkgefäße sollten täglich gewechselt und bei mind. 75 Grad C in der Spülmaschine gewaschen oder ausgekocht werden.
Impfung:
Es gibt in
USA eine Giardien Impfung. Aber wie bei jeder Impfung sollte hier Nutzen und Schaden gut gegeneinander abgewogen werden.
Weiterführende Links:
www.laboklin.de
www.intervet.de/news/
www.catgirly.de/Krankheiten/giardien.htm